Porträt

Über mich

Ich spreche nicht viel. Ehrlich. Schon gar nicht über mich selbst. Bis man mir ein Mikro und eine Bühne oder ein Klavier hinstellt.

Hier also in Kürze über mich, bevor es peinlich wird.

Antony Alex, Schweizer mit indischen Wurzeln, professioneller Studio-Sprecher und Voice Actor in Zürich, spricht seit seine Eltern ihm das Sprechen beigebracht haben, beinahe ununterbrochen. Warmer Bariton, Stimmalter 28 bis 55, Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch. Diplom der Speech Academy Schweiz vom 2. September 2025.

Ein Nerd, bevor der Begriff mainstream wurde, weil man nicht mehr verprügelt wurde dafür, mit dicker Brille und grosser Nase, die schon immer dort war wo viele Worte auf einem Papier oder Bildschirm platziert waren. Er liebt Geschichten. Und erzählt auch gerne welche. Manche auch wahre, manche vielleicht auch etwas für Effekt dramatisierte. Und je mehr er wusste umso mehr hat er davon erzählt, wenn er gemerkt hat dass er damit helfen konnte. Und das war das Zweite was er sehr gerne tat. Helfen.

Noch da? Ok dann geht es hier weiter:

Als ihm seine Eltern eine LP von Clayderman aufsetzen, hört er zum ersten Mal Klavier und wusste, dieses Instrument will er lernen. Die Anschaffung war keine Kleinigkeit also lernt er zuerst Gitarre, wie sein Bruder, danach Flöte und irgendein Streichinstrument, das er erfolgreich verdrängt hat, bis endlich die Eltern aufgaben und ihn in der 3. Klasse in den Klavierunterricht schickten, nachdem alle meinten, der Junge sitze an jedem Klavier das er sehe und spiele, seit er fünf war.

Er liebte damals bereits Improvisation und zum Leid seiner Lehrer war seine Konzentration auf echte Noten zu setzen, nicht einfach für alle Beteiligten, ihn inklusive. Zwölf Jahre klassisch.

Musik gab ihm die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, die keine Worte brauchten, schlicht auch weil ein 9-Jähriger nicht unbedingt den Wortschatz dafür hat. Alles wurde zu Musik. Der Streit, der Sommer, das aufräumen-müssens-des-zimmers-zum-x-ten-mal-obwohl-es-eigentlich-sauber-genug ist.

Warum erzähl ich das alles? Du bist auf dieser Seite, weil du von mir was gehört hast oder vielleicht sogar etwas von dir von mir erzählt haben möchtest.

Der Junge, den ich oben beschrieben habe, ist immer noch da, verpackt in einer inzwischen middle-aged Person, die aktuell 6 regionale Zeitungen herausbringt, um einer exklusiven Gruppe von Gutscheinkäufern über 600 Restaurants näherzubringen, wo sie ihren Gutschein benutzen können.

Davor brachte ich über 12 Jahre lang in einem Zürcher Verlag Restaurantführer in 4 Schweizer Regionen heraus, operative Leitung, und da davor baute ich einen Online-Shop für Zeitschriftenabos auf, als das Internet noch Geräusche gemacht hat, wenn man reinwollte. Und das, während ich Publizistik studierte, weil «irgendwas mit Medien» das Spannendste war, was der Uni-Katalog hergab. Dass ich da davor mit Alt-Latein und Altgriechisch den Nerd-Highscore erreicht habe und dadurch meine Liebe zu Sprache, Ausdruck und vor allem uralten mythologischen Texten entdeckte, erwähne ich hier nicht. Das ist meine Geschichte der letzten 25 Jahre.

Es klingt nach Klischee, aber jedes Klischee basiert ja irgendwo auf einer Wahrheit, die Geburt meiner Tochter veränderte alles. Mein Leben, mein Fokus, meine Ziele. Und vor allem erinnerte es mich daran wie es war als ich klein war, was ich liebte: Geschichten hören. Ich las ihr vor, ich erzählte ihr einfach so, ich spielte ihr Geschichten vor mit verschiedensten Stimmen, je verrückter umso besser und sie liebte es zu hören und liebte es zu erzählen. Ich nahm Geschichten auf die Toniebox auf damit sie sie hören konnte wann immer sie wollte und irgendwann dachte ich mir ich sollte mir mal ernsthaft beibringen lassen wie das Profis machen. Geschichten erzählen. Nicht nur mit Stimmen sondern mit Absicht. Das war der Moment der mich in die Speech Academy brachte. Und knapp 6 Monate später zum Tiefpunkt meiner noch nicht gestarteten Sprecher-Karriere.

Die meisten mochten meine warme Bariton-Stimme, das rollende R im Hochdeutsch, das mich immer noch begleitet wenn ich müde bin. Aber die Intention in die Stimme zu kriegen: Frust, Angst, Wut, Trauer, Neugier und das ganze Gefühlsrad des Teufels (wie ich es damals nannte) klang bei mir entweder laut oder leise. Bis mir eines Nachmittags nach einer besonders frustrierenden Coaching-Session zuhause in der Box beim Üben der Kragen geplatzt ist und ich alles was mir auf der Seele lag ins Mikrofon schrie. 15 Minuten lang. Als ich mich danach erschöpft hinsetzte und dachte, dass ich damit wohl einem der vielen Hirngespinste ein Ende gesetzt hätte, wollte ich doch kurz reinhören wie das klang. Und es klang gut. Also echt. Authentisch. Natürlich. Man hörte die ganze Bandbreite an Wunsch, Angst, Frust, Wut, und auch Trauer, dass ein Wunsch vielleicht nicht in Erfüllung geht.

Ich war überrascht, wie war das möglich? Ich war ja immer noch der gleiche Typ, ich hatte nicht plötzlich was Neues gelernt ohne es zu merken. Erst beim zweiten und dritten Mal Anhören habe ich gemerkt was es war: ich war frei! Ich habe einfach geredet oder eher gehadert, wie Prometheus mit Zeus, nur dass ich mich selbst an den Felsen gekettet hatte, der Felsen wäre mein Kopf in dieser, zugegeben, etwas gesuchten Metapher. Ich habe wütend gesprochen weil ich wütend war und traurig weil ich es war. Das war der Unterschied. Sprechen kann ich, aber Acting in Voice-Acting, das hatte ich nicht im Griff. Und als ich das verstand musste ich lachen. Der Super-Nerd der bisher alles mit seinem Superhirn gelöst hat, scheiterte daran seine Stimme einzusetzen weil Acting eben nicht im Kopf sondern im Körper stattfindet, wenn es eben nicht Theater sein soll sondern authentisch.

Nun lassen wir die Psychotherapie, denn das war tatsächlich der Moment wo ich angefangen habe wieder der Junge zu sein, der einfach quatschen wollte, der auch Quatsch quatschen wollte. Und das ist was ich heute mache. Auf der Bühne, in der Box, bin ich der, den der Text mich braucht zu sein. Ohne Rücksicht auf Verluste. Draussen bin ich wieder eher der middle-aged nachdenkliche Unternehmer, der Prozesse liebt. Termine, Pläne und Struktur. Klare, transparente Kommunikation und vielleicht ein gutes Buch oder Serie auf der Couch.

Wie das klingt, steht bei den Hörbeispielen.